Aktuell experimentiere ich mit der Übersetzung von Zwei- in Dreidimensionalität anhand von fotografierten und gemalten Farbflächen und ihrer Ausdehnung in den Raum, siehe dazu die Modelle für übergangene Übergänge 1 – 5, Raum- und Farbflächen 1 und 2. Zu meiner Arbeit - übergangene Übergänge - 2009: Vorgehen: Thema: Zeitliche Übergänge sind: flüchtig, immateriell, lassen sich messen anhand von Sekunden, Minuten, Stunden. Sie sind fliessend, fortlaufend und auch ist jeder Moment ein zeitlicher Übergang von einem Augenblick zum nächsten: jetzt, jetzt, jetzt... Bei jedem Jetzt findet ein zeitlicher Übergang statt. Bewusst werden wir dessen auch, wenn wir z. B auf die Uhr schauen oder wenn etwas um eine bestimmte Zeit beginnt / endet – periodische Zeiten wie die Jahreszeiten, Tag/Nacht, etc. Aber kann man da überhaupt von Übergängen sprechen oder müsste man nicht sagen, Zeit ist etwas fortlaufendes, von uns definiert und wichtig als Orientierung des Menschsein? Was passiert, wenn man räumliche Übergänge zeitlich übergeht und umgekehrt? Zeitreise? Beamen? Ich löse mich auf und erscheine in einem anderen Raum wieder, ohne einen Weg zurückgelegt zu haben... Yvonne Mueller
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Die fotografischen Arbeiten von Yvonne Müller sprechen von der Malerei.
Aber auch von Geschichten, von Projektionen und gelegentlich auch von
Introspektionen. Selbst die aufwendigste digitale Bearbeitung lässt
eine malerische Geste erscheinen, einen Akkord Kulturgeschichte erklingen
oder einen Fetzen tagträumerische Poesie aufwirbeln.
Die Gattungsverbindung der Malerei und der digitalen Bildbearbeitung nutzt die Künstlerin in der Motivwahl, um ikonografische Topoi wieder erstehen zu lassen und sie im selben Augenblick neu zu interpretieren. In der Bildgestaltung bedient sie sich sowohl der digitalen Montage als auch des gebauten Modells oder der gemalten Kulisse, die der Fotografie oft als Bildelement dienen. Aus
der gemalten Szenerie, in die sie ihre Figuren einfügt, macht sie
keinen Hehl: Der Vordergrund einer rousseauesk gehaltenen Landschaft wird
von einem liegenden weiblichen Menschen belegt („Exotische Landschaft“,
2005). Der Kuriosität über diese Verirrung gibt indes der Gorilla
Ausdruck, der – lauernd? begehrlich? neugierig? wachend? –
die Passivität dieser Gestalt beobachtet. Dass er allerdings eine
vergrösserte Plastikfigur ist, die in dieser Kulisse ebenso wenig
verloren hat wie die junge Frau, erkennt man erst auf den zweiten Blick. Zu den Gattungen der Malerei, der Fotografie und der Szenografie kommt also auch die Performance hinzu. Sie dient nicht der Selbstdarstellung, sondern vielmehr einem Rollenspiel. Die performativen Fotografien isoliert Yvonne Müller digital und fügt sie in ein Setting ein – sei das ein berühmtes Werk der Kunstgeschichte, ein auf menschliche Dimensionen vergrössertes Puppenhaus oder ein goldener Raum.
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Im „Goldzimmer“ (2005) klingt etwas von der heiligen Aura
einer Ikone nach, und dennoch wurde die Frauenfigur in einen völlig
neuen Raum überführt. Eine der drei Fotografien
enthüllt die Konstruiertheit des Goldraumes und gibt Anlass zur Spekulation,
ob dieser bühnenhafte Anblick dem Fehlen einer vierten Wand oder
nicht vielmehr einer heimlich entfernten oberen Abdeckung zu verdanken
ist, die aber die Figur in ihrer Introvertiertheit noch nicht bemerkt
hat.
Die Bildräume sind imaginäre Räume. Obwohl sie bewusst auf die Bildtradition verweisen, sich bei genauerem Hinschauen als Puppenhaus erweisen oder ein künstlich generiertes Setting für vermeintlich bekannte Narrationen wie Shakespeares Mittsommernachtstraum offen legen, ist allen Bildern ein Element der irritierenden Nicht-Einlösung inhärent. Die Faszination des Narziss von seinem Spiegelbild („Leuchtquelle“, 2005) ereignet sich in einem durch und durch kühlen und künstlichen Raum, dessen Fenster dem Betrachter zwar einen Blick in die Idylle verspricht, ihn im selben Moment aber auch die dunkle Ahnung des Gefangenseins in der Lichtflut spüren lässt. Der „Goldraum“ erinnert nicht nur durch seine Farbe an die wertvolle, Transzendenz versprechende Umrahmung der Heiligen in der Ikonentradition. Die reich bekleidete Frauenfigur trägt das Korsett des Adels und das Gebaren der Maria bei der Verkündigung. Doch wo ist der Erlösung versprechende Engel? wo der rettende Prinz? Steckt vielleicht im zierlichen Goldbeutel der Schlüssel aus dem Kulissenkäfig? Versuche, eine lineare Narration in diesen Bildern zu entschlüsseln, müssen scheitern, obwohl sie diese gerade andeuten. Dazu trägt wesentlich die Atmosphäre bei, die die Künstlerin in diesen Settings zu generieren vermag. Sie wirken dem Alltag oder der Kulturgeschichte entnommen und haben dennoch vieles mit Situationen zu tun, die über sie hinaus auf Stimmungen verweisen, die dem Empfinden eines jeden in bestimmten Lebenssituationen entsprechen können – tief empfundene Melancholie beispielsweise, aber auch der verträumte Blick durch den dicken Vorhang oder der absurde Kampf gegen unfassbare Traumkreaturen. Bei aller offensichtlichen Künstlichkeit herrscht in diesen Stimmungen etwas Wahres, das sich vielleicht ausschliesslich in imaginären Räumen zu zeigen vermag. Fiona Siegenthaler, Juli 2006 |